Traditionelle Medizin in Kamerun

Dieser Text entstand zusammen mit meiner Frau Josette schon 2003 im Rahmen einer Hausarbeit. Er ist meiner Meinung nach weiterhin aktuell, sicherlich etwas für eine sehr begrenzte Zielgruppe, aber entscheidet selbst…

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Fischer im Einbaum auf dem Lobé-Fluss nahe Kribi, Kamerun

Vorwort

1978 wurde in der „Primary Health Care Declaration of Alma Ata” der WHO erstmals die Wichtigkeit der traditionellen Medizin als Quelle für eine medizinische Grundversorgung des größten Teiles der Weltbevölkerung offiziell anerkannt. In dem darauf aufbauenden „Traditional Medicine Programme“ der WHO wird die traditionelle Medizin als die Summe des gesamten Wissens und der Praktiken bezeichnet, die zur Diagnose, Verhütung, und Beseitigung physischer, mentaler oder sozialer Imbalancen dient und ausschließlich auf praktischer Erfahrung und Beobachtung, überliefert mündlich und schriftlich von Generation zu Generation, basiert [1].

Man geht heute davon aus, dass dem größten Teil der Weltbevölkerung aus  finanziellen und logistischen Gründen in absehbarer Zeit kein Zugang zu westlicher (Hoch-) Schulmedizin gewährt werden kann. Umso wichtiger wird da die Rolle der traditionellen medizinischen Versorgung insbesondere in den dörflichen Gebieten der Entwicklungsländer. So kommen z.B. in Kamerun statistisch auf 1 universitär ausgebildeten Arzt 7500 Einwohner [9]. Man kann dabei davon ausgehen, dass sich diese Ärzte vor allem in den großen Ballungsgebieten konzentrieren, während sich „nur“ ca. 1800 Leute einen traditionellen Heiler, vor allem in den ländlichen Gebieten „teilen“ müssen [10].

Neben der Notwendigkeit, Ressourcen für die medizinische Grundversorgung der Bevölkerung zu erschließen, wächst auch der internationale  Markt für in Afrika traditionell genutzte Heilpflanzen. Die Kenntnis und industrielle Nutzung dieser Pflanzen verspricht eine nicht unbeträchtliche Einkommensquelle zu werden. Einige Pflanzen werden mittlerweile in so großem Umfang exportiert, dass deren Existenz gefährdet ist.

Die vorliegende Arbeit soll einen kurzen Überblick über einige Aspekte der traditionellen Medizin Afrikas, insbesondere Kameruns geben. Dabei soll besonders auf die unterschiedlichen Vorstellungen von Krankheit und Gesundheit sowie die soziale und wirtschaftliche Bedeutung dieses Zweiges der Gesundheitsversorgung eingegangen werden.

Allein in Kamerun gibt es über 200 verschiedene Völkergruppen, die jedoch in vielen Bereichen ähnliche Vorstellung haben und Bräuche pflegen, in anderen Bereichen sich aber deutlich voneinander unterscheiden. Von afrikanischer Medizin oder sogar genauer kamerunischer Medizin zu sprechen ist eine Verallgemeinerung, bei der sicherlich eine Vergröberung der Sicht droht. Um einen Überblick zu gewinnen, soll es erlaubt sein. Ich hoffe, durch Beispiele etwas von dem Facettenreichtum der Medizin in Kamerun wiedergeben zu können.

Verschiedene Erklärungen von Krankheit

Die Auseinandersetzung mit Medizin betrifft jeden Menschen zu jeder Zeit seines Lebens unabhängig von seiner ethnischen Abstammung und kulturellen Zugehörigkeit. Krankheit ist eine menschliche Urerfahrung und vereint die verschiedenen existentiellen Ebenen des Menschen: die biologische, die psychisch-individuelle und die soziokulturelle Ebene. Von der Krankheit betroffen ist das Individuum, dessen Schmerzen erkannt, benannt, behandelt und erklärt werden müssen, und die Gesellschaft, die Maßnahmen zur Wiederherstellung der Gesundheit ihres Mitgliedes treffen muss [11].

In jeder Kultur ist das Heilen eine der wichtigsten Beschäftigungen der Menschen. In dieser Hinsicht spielt auch in Afrika die Medizin eine wichtige Rolle.

In Afrika existieren die traditionelle und die moderne Medizin nebeneinander. Beide haben jedoch kaum Kontakt zueinander. Die europäische Medizin ist fest in den Händen der in Europa oder in den wenigen medizinischen Fakultäten der afrikanischen Universitäten ausgebildeten Ärzte. Die traditionelle Heilkunst wird von den speziell ausgebildeten Heilern streng gehütet und nur Auserwählten weitergegeben.

Es spielt bei der Betrachtung der Erwartungen der Menschen an Heilung zunächst keine Rolle, woher jemand kommt. Es wird im Allgemeinen die Befreiung vom Leiden erwartet. Unterschiede zwischen einem traditionell afrikanischen Ansatz und dem europäischen Verständnis von Krankheit liegen jedoch in den verschiedenen Erklärungsmodellen. Während in Westeuropa doch im Allgemeinen strikt getrennt wird zwischen körperlichen und seelischen Leiden bzw. allenfalls psychosomatische Erklärungsmodelle herangezogen werden, spielt eine solche Trennung im traditionellen Krankheitsverständnis vieler afrikanischer  Völker keine so große Rolle. Hier wird Krankheit öfter als Ungleichgewicht zwischen körperlichen, seelischen und insbesondere auch gesellschaftlichen Faktoren verstanden. Probleme des Zusammenlebens, der zwischenmenschlichen Beziehungen und das Verhältnis des Kranken zur Gesellschaft werden in gleichem Maße für Krankheit verantwortlich gemacht wie physische Auslöser (Infektionen, Vergiftungen, Unfälle). Die Rolle der sozialen Auslöser von Krankheit kann man durch folgende Vereinfachung verdeutlichen: Wenn ein Europäer krank ist, stellt sich für ihn zuerst die Frage, was die Krankheit ausgelöst hat. Ein Afrikaner mit traditionellem Bild von Krankheit würde dagegen zuerst fragen, wer die Krankheit ausgelöst hat. Eine im westlichen Sinne medizinische Ursache für Krankheit wird meist gar nicht erfragt und ist für den Patienten oder seine Familie nicht von Interesse.

Hexerei und schwarze Magie (Schadenzauberei) sind als Erklärungskonzepte für Krankheit und Missgeschick von zentraler Bedeutung. Ganz allgemein wird davon ausgegangen, dass ihren Mitmenschen übel gesinnte Menschen diesen mit magischen oder medizinischen Mitteln schaden können [11].

Das afrikanische Verständnis von Krankheit kennt eine Bikausalität des Phänomens Krankheit [11]. Einerseits gibt es natürliche Ursachen für eine Erkrankung (z.B. Infektionen), Krankheiten, die sich aus dem Lebenslauf des Kranken (seines biologischen Alters), der Lebensführung (Ernährung, körperliche Belastung) und den klimatischen und ökologischen Bedingungen ergeben. Andererseits werden die übernatürlichen Ursachen wie Hexerei, Magie, Ahnen- und Geisterglauben, als Ausdruck einer gestörten Beziehung des Kranken zu seiner sozialen und spirituellen Umwelt gewertet und gelten als die gesellschaftlich relevanten Krankheitsursachen, die gesellschaftliches Handeln bestimmen.

Traditionelles Heilen in Afrika

Ausgehend von diesem Konzept ergibt sich für einen traditionellen afrikanischen Heiler automatisch die Aufgabe, Störungen aller dieser Faktoren wieder ins Gleichgewicht zu bringen.

Die afrikanischen Heiler verfügen über eine Skala unterschiedlicher Verfahrensweisen, jeweils den Landstrichen entsprechend, in den Wahrsagung und Versöhnungsriten eine bedeutende Rolle spielen. Diese kosmo-sozio-psycho-therapeutischen Behandlungsmuster werden tags oder nachts durchgeführt, wobei die Nacht häufig als besonders günstig gilt. Grundmuster ist eine systematische Überprüfung aller Lebensbereiche oder besser noch aller Einflusssphären, die das Opfer, das von seiner Umgebung als Krankheitsträger angesehnen wird einkreisen. Während dieser langwierigen Zeremonien muss die Welt des Patienten inventarisiert, zusammengetragen und erinnert werden [12].

Eine treibende Kraft dieser Art zu heilen ist die Anwendung von Ritualen, z. B. Opferung von Tieren (Hühner, Ziegen, …) oder zeremonielle Reinigungen, oft mit sehr beeindruckenden, furchterregenden oder gar schmerzhaften Prozeduren verbunden, wie z.B. wiederholte Feuerstöße auf das Opfer der Zauberei gerichtet. Ihre Wirkung beziehen diese Rituale vor allem daraus, dass die Beteiligten diese Rituale als reale Wirklichkeit empfinden und nicht als symbolisches Abbild der Wirklichkeit. Unverzichtbar für einen Heilungserfolg ist der Glauben und die Zustimmung des Patienten [12]. Eine zentrale Rolle für die meisten Afrikaner spielt dabei der Glaube an die Macht der Ahnen und Schadenzauberei.

Eine weitere Behandlungssäule ist die Verabreichung von Arzneien aus Heilpflanzen. Dabei werden die meisten auch in Europa bekannten Darreichungsformen (Tränke, Salben, Verbände usw.) angewandt. In Europa seltener zu finden ist sicherlich das Einritzen der Haut und Auftragen von Heilkräutern auf die künstlich geschaffenen Wunden.

Besonders die Anwendung afrikanischer Heilpflanzen findet in Europa immer breiteres Interesse. Dabei wird der heilende Mechanismus jedoch meist auf die pharmakologische Komponente reduziert. Es wird die Bedeutung des traditionellen Heilers als kultische und religiöse Autorität außer acht gelassen [11].

Das heutige Interesse an traditioneller Medizin in Afrika war nicht immer so groß. Während der Kolonialzeit wurden die traditionellen Praktiken gar nicht als glaubwürdige Medizin anerkannt. Z.T. empfand man sie als lächerlich, sie sollte vergessen werden. Z.T. wurde die Ausübung unter anderem durch die Missionare verboten, ausgestorben ist sie dadurch nicht.

In den englischen Kolonien war man etwas mehr an Kompromisse gegenüber lokalen Institutionen gewöhnt. Einige Jahre vor der Unabhängigkeit wurde den Heilern der Titel „Pflanzendoktor“  zugestanden und ihrer Kunst eine gewisse Achtung entgegengebracht. Dabei hatte man mit den Heilpflanzen den sichtbarsten, jedoch nicht den bedeutendsten Aspekt dieser Kunst im Auge [12].

Die traditionelle Medizin wurde nach der Unabhängigkeit fast nur noch von ungebildeten Menschen angewandt. Seit in vielen Ländern Afrikas die politischen, sozialen und vor allem ökonomischen Bedingungen für den größten Teil der Bevölkerung schlechter werden, findet diese Form der Medizin immer mehr Zulauf. In Kamerun wurde die medizinische Versorgung bis Mitte der 80er Jahre vom Staat finanziert, für die Grundversorgung musste von den Patienten nichts bezahlt werden. Heute müssen die Patienten selbst für die Behandlung aufkommen. Diese ist in den Krankenhäusern meist teuerer als beim traditionellen Heiler.

Ein nicht zu vernachlässigender Aspekt des traditionellen Heilens in Afrika ist die Art wie die Heiler bezahlt werden. Man muss sich vor Augen halten, dass die durchschnittliche Bevölkerung, ob in der Stadt oder auf dem Land nicht unbegrenzt Geld zur Verfügung hat. Ist jemand erkrankt, muss die Familie entscheiden, ob überhaupt professionelle Hilfe in Anspruch genommen werden kann und schließlich wer aufgesucht werden soll. Dabei ist es auch nicht selten, dass sowohl traditionelle Heiler als auch westlich ausgebildete Ärzte zur gleichen Zeit aufgesucht werden. Oft wird es von der Art der Erkrankung abhängig gemacht, zu welchem Arzt man geht, also beispielsweise bei Durchfallerkrankungen oder Fieber ins staatliche Krankenhaus, bei Geisteskrankheit oder Fertilitätsproblemen, insbesondere chronischen Erkrankungen zum traditionellen Heiler.

Darüber hinaus behandelt auch nicht jeder traditionelle Heiler jede Krankheit. Auch bei ihnen gibt es Spezialisten. Zu dem eine geht man, um seine Magenbeschwerden zu behandeln, zu dem anderen, um eine Fraktur auskurieren zu lassen [12].

Zum ökonomischen Aspekt bleibt weiterhin zu sagen, dass im Unterschied zum westlichen System der Vergütung traditionelle afrikanische Heiler durchaus in Abhängigkeit vom Therapieerfolg bezahlt werden. Patienten bezahlen mehr, wenn sie geheilt werden, als wenn sie nicht geheilt werden. Leonard [13] interviewte traditionelle Heiler in Kamerun, Tansania und Äthiopien. Diese gaben an, einen Teil der Bezahlung zu Anfang der Behandlung zu erhalten, wenn der Patient geheilt sei, würde der Rest bezahlt werden. Für den Fall, dass ein Patient nicht nach erfolgreicher Therapie bezahlen wolle, gäbe es die Möglichkeit, die Therapie rückgängig zu machen oder einen Fluch über den Patienten auszusprechen. Dies seien insbesondere in dörflichen Gemeinschaften äußerst wirkungsvolle Mittel.

 

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Das Dorf Bembima nahe Wall im Departement Haute Sanaga, Kamerun

Traditionelle medizinische Praktiken und Medikamente in Kamerun

Traditionelle medizinische Praktiken in Kamerun

In dem folgenden Abschnitt sollen einige Praktiken und Medikamente der traditionellen Medizin in Kamerun aufgezählt und soweit möglich erläutert werden. Grundsätzlich sind diese Praktiken nicht auf das Staatsgebiet von Kamerun beschränkt, jedoch werden einige Methoden hier häufiger praktiziert, während andere Verfahren eher in anderen Teilen Afrikas verbreitet sind.

Zunächst sollen einige Praktiken vorgestellt werden, wobei berücksichtigt werden muss, dass die Verfahren aus einem Zusammenhang gerissen sind und häufig nur Bausteine einer Therapie sind [12]. Außerdem unterstreicht die spezielle Zeremonie, mit der die Verfahren angewendet werden den mystischen Charakter, d.h. wie weiter oben schon bemerkt sind pharmakologische und spirituelle Wirkung nicht voneinander zu trennen.

  • Verabreichung von Tränken, die laxierend wirken oder die Urinausscheidung erhöhen
  • Massagen z.T. mit Ölen oder Tinkturen
  • verschiedene Diäten
  • Feuerstöße, die mittels brennbarer Flüssigkeiten aus dem Mund über glühende Machetenklingen über die Rücken der Patienten „gespuckt“ werden
  • Verteilung von Hühnereiweiß auf der Haut des ganzen Körpers
  • Opferung von Tieren (z.B. Hühner, Ziegen) um von den bösen Geistern oder Schadenszauberern den Patienten im Austausch „freigelassen“ zu bekommen
  • nächtliche Wanderungen, die symbolisch von Gefangenschaft befreien sollen
  • Tänze
  • Trancen [12]

 

Heilpflanzen in Kamerun

 

Eine umfassende Darstellung der medizinisch genutzten Pflanzen in Kamerun zu geben, ist bei der Menge an verschiedenen Spezies, die im Urwald des Congo-Beckens zu finden sind selbstverständlich nicht möglich. Man kann wohl davon ausgehen, dass ein Großteil der Pflanzen noch gar nicht „entdeckt“ und katalogisiert sind. Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass gerade in jüngerer Zeit große Anstrengungen in dieser Richtung unternommen werden.

Derzeit wird durch die Regierungen der Erforschung traditioneller Pflanzenheilkunde durch Investitionen und Initiation von Programmen auf diesem Feld große Aufmerksamkeit geschenkt. Man verspricht sich davon unter anderem auch neue Einkommensquellen. Mit Hilfe ausländischer entstehen Firmen neue Industriezweige, die sich insbesondere im Abbau von Rohstoffen engagieren. Die Folgen für die Umwelt sind schon jetzt erkennbar: viele medizinisch nutzbare Pflanzen sind schon ausgerottet oder davon bedroht, wie z.B. Prunus africana – zu deutsch Afrikanisches Stinkholz [2].

Im folgenden Abschnitt sollen einige der vermutlich über 1000 traditionell medizinisch genutzten Pflanzenarten Kameruns kurz mit ihrer medizinischen Anwendung beschrieben werden.

Zunächst die Pflanzen die in größerem Umfang aus Kamerun exportiert werden:

Strophantus gratus

1991 wurde  erstmalig das strophantinähnliche Glykosid Ouabain im menschlichen Plasma nachgewiesen. Ouabain selbst wurde während der Expedition David Livingstone’s in Ostafrika Mitte des 19. Jahrhunderts entdeckt. John Kirk, ein Botaniker dieser Expedition, wurde auf das Pfeilgift der Massai, gewonnen aus den Samen der Pflanze Strophantus gratus und den Wurzeln des Ouabain-Baums, aufmerksam und stellte im Selbstversuch nach perkutaner Applikation fest, dass sich sein Puls verlangsamte. Kleinere Lebewesen, wie Frösche oder Vögel, verstarben nach Verabreichung der gleichen Dosis. Die Bildungsorte von humanem, endogenem Ouabain sind vermutlich die Nebennierenrinde und das Zentralnervensystem. Ouabain hemmt die endogene Na+/K+-ATPase und wurde bei Patienten mit essentieller Hypertonie, Hypervolämie, Herzinsuffizienz, Schilddrüsendysfunktionen, Schwangerschaft und Diabetes mellitus nachgewiesen [3].

Das Glykosid ist wirksam bei Herzinsuffizienz und Angina pectoris.

Voacanga africana, Voacangastrauch

Immergrüner tropischer Baum, glänzende Blätter, stark duftende Blüten

Pflanzl. Fam.: Apocynaceae – Hundsgiftgewächse

Heiler des westlichen, afrikanischen Regenwaldes nehmen die Wurzelrinde dieses Baumes als cerebrales Stimulans für Alarmiertheit und Ausdauer während Stammesfeiern, Tänzen, rituellen Zeremonien und langen Jagdreisen. Die Alkaloide sind in substantiellen Mengen in der Wurzelrinde als auch in den Samen. Ebenso wird die Wurzelrinde eingenommen in der Volksmedizin als Stimulanz und Herzstaerker, die Samen selbst sind reserviert zum Erzeugen von Visionen.

Verwandte Spezies: Voacanga thouarsii, afrikanischer Frangipani

Griffonia simplicifolia, Glücksbohne, Ranker

lila Blüten

Der Extrakt von Griffonia simplicifolia enthält einen Anteil von mehr Als 95 % wasserfreiem 5-Hydroxytryptophan ( 5-HTP ).  5-HTP ist eine Vorstufe des körpereigenen Gewebehormons Serotonin. Serotonin beeinflusst in unserem Körper verschiedene Funktionen: es wirkt als Neuroüberträger, reguliert die korrekte Muskelfunktion im Herz-Gefäß-Bereich und Magen-Darmsystem sowie die Thrombozytenfunktion. Ebenfalls spielt es im Zentralnervensystem eine wichtige Rolle und stimuliert die „Motorik“ des Magens. In versch. Studien wurde die Wirkung der Serotoninvorstufe 5-HTP untersucht. Den größten Einfluss hat 5-HTP auf Stimmung, Schlaf und Appetit.

Anwendungsgebiete:

  • leichte depressive Gemütszustände
  • Einschlaf- und Durchschlafstörungen
  • hemmt übermäßigen Appetit
  • ursprünglich als Kaustäbchen (chewing sticks) und als Insektizid verwendet

Prunus africana, Afrikanisches Stinkholz

Prunus africana ist in ganz Afrika verbreitet und kommt in montanen Gebieten ab 1000 Höhenmetern vor. Es gehört zur Pflanzenfamilie der Rosaceaen und ist im Deutschen unter dem Namen „Afrikanisches Stinkholz“ bekannt. Frisch geschnitten verströmt es einen unangenehmen Geruch, der sich aber nicht über die Trocknung hinweg erhält. Prunus africana wächst schnell und braucht 15 bis 20 Jahre bis zur Samenproduktion. Der Baum spielt in seinem Ökosystem eine ganz besondere Rolle: seine Samen und Früchte stellen eine Schlüsselressource für sonst seltene Vogelarten dar. In der traditionellen afrikanischen Volksmedizin wird das afrikanische Stinkholz, Prunus africana, gegen Malaria, Fieber sowie Bauch- und Brustschmerzen eingesetzt. Wissenschaftler haben es auf seine Wirkung überprüft und konnten dem Extrakt, der aus der Rinde des Baumes gewonnen wird, einen entzündungshemmenden Effekt zuschreiben. Außerdem erzielte das hergestellte Präparat gute Erfolge bei Prostataerkrankungen (Prostatahypertrophie.

Für die Gefährdung des Afrikanischen Stinkholzes ist in erster Linie die Übernutzung des Baumes für medizinische Zwecke verantwortlich, da viele Sammler dem Baum zu viel der wertvollen Rinde entnehmen oder ihn sogar fällen. Aufgrund seiner Gefährdung ist Prunus africana in den Anhang II des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (CITES) aufgenommen worden und der Handel mit der Rinde des Baumes beschränkt und überwacht.

Ein Aussterben des Baumes könnte in 5 bis 10 Jahren eintreten [2].

Im Jahr 1995 exportierte Kamerun 3190 Tonnen zu Pharmafirmen nach Frankreich, Italien und Spanien [1]. Der Einkaufspreis der Rinden liegt bei ca. 0,6-0,7 US$ pro kg. Eine Packung mit 15 Tabletten dieses Wirkstoffes kostet dann 7-8 US$ [4]. Das Gesamtmarktvolumen wird auf ca. 220 Mio. US$ pro Jahr geschätzt [2].

 

Pausinystalia johimbe, Yohimbe(he)rinde, Potenzrinde

Anwendung als Aphrodisiakum besonders in der Veterinärmedizin; Antihypertonikum

Kamerun ist das Hauptherkunftsgebiet des Yohimbe-Baumes, aus dessen Rinde das Alkaloid Yohimbin gewonnen wird. Es existiert wohl kaum eine medizinisch genutzte Substanz pflanzlichen Ursprungs, für deren Rohstoff es so viele verschiedene Namen gibt und über dessen Herkunft und Geschichte gleichzeitig so wenig bekannt ist. Bei der Vielzahl der Dialekte in Kamerun verwundert es nicht, dass es dort mehrere Bezeichnungen gibt. Der Baum wird nicht nur Yohimbe genannt, sondern auch Njumbehoa, Yumbehoa oder Yohimbehe. Die Pangwe, eine große Völkergruppe im Süden Kameruns, sollen den Baum in ihrer Sprache als „Schweinepenis“ tituliert haben, da sie sich die Wirkung der abgekochten Rinde auf die Geschlechtsorgane so erklärten: das Holz des Baumes ist besonders hart im Verhältnis zu anderen Bäumen, etwa so wie der Penis eines Schweins im Verhältnis zu dem anderer Tiere (was man merkt, wenn man ihn kocht und essen will), und diese Eigenschaft des Holzes gewinne ich, wenn ich von dem Holz etwas einnehme. Die Reihe der volkstümlichen Namen für den geheimnisumwobenen Tropenbaum ist noch länger: in Deutschland wird er als Liebesbaum oder Potenzholz bezeichnet, die Portugiesen nennen ihn Pau de cabinda, im Arabischen heißt er Yohambine, man sieht: dieser Baum ist weltberühmt.

Der Baum wächst in den Regenwaldgebieten Kameruns, hier vor allem in den südwestlichen Landesteilen, wahrscheinlich in einem etwa 150 km tiefen küstenparallelen Waldgürtel im Batanga- und Ngumbaland. Auch Verbreitung an den Oberläufen des Flusses Sanaga ist beschrieben worden. Weitere Bestände des Yohimbe-Baumes finden sich in den Nachbarländern Kameruns: im Kongo, in Äquatorial-Guinea, Gabun und zum Teil in Nigeria [5].

1985-91 wurden aus Kamerun 286 Tonnen nach Holland, Deutschland, Belgien, Luxemburg und Frankreich exportiert.

Die Auswahl der nun folgenden Pflanzenarten [8] wird (bisher) in wesentlich geringem Umfang exportiert.

 

Erythroxylum coca, Koka

Herkunft: heimisch in den feuchtwarmen Gebirgslagen Südamerikas und Javas; wird in Indien und Afrika kultiviert

Koka ist ein immergrüner Strauch mit kleinen weißlichen Blüten, roten Steinfrüchten und wechselständigen Blättern. Es gibt mehr als 200 verschiedene Arten.

Wirkstoffe: Cocain, Cinnamoylcocain, Methylekgonin, Truxilline, Hygrin, Cuskhygrin und andere Ecgonin-Alkaloide.

Angewendeter Pflanzenteil: Cocae folia = Kokablätter

Anwendung: Alkoholauszug (nur für die Arztpraxis!) oder Fertigpräparate

Wirkung/Einsatz: für eine Betäubung des Auges oder Pupillenerweiterung, zur Betäubung bei Eingriffen im Kopfbereich (Augen, Kehlkopf, Nase, Ohr, Rachen oder Kiefer)

 

Euphorbia hirta, Wolfsmilch

in Euphorbia Complex  Wolfsmilch Komplex

Kräutermischung, die die Bronchienzweige erweitert und das Luftholen erleichtert, anti-allergisch, verhindert Infektionen in den niederen Atemwegen. Hemmt die Schleimbildung, hilft gegen angesammelten Schleim. Anti-asthmatisch, wirkt Bronchitis entgegen

 

Terminalia ivorensis, Framiré

Es stammt von einem großen Baum, der häufig eine Höhe von 40 m und einen Schaftdurchmesser von l m oder mehr erreicht. Nutzholz.

Wirksam bei Polyarthritis, Diarrhoe [6]

 

Phytolacca  dodecandra, Kermesbeere, Amerikanische Scharlachbeere

Beeren enthalten ein Molluscocid, das gegen  Schistosomiasis eingesetzt werden kann, wirksam bei Hauterkrankungen, Rheumatischer Polyarthritis, Antiemetikum, Kopfschmerzen

 

Salvadora persica tooth-brush tree

Verschiedene Teiler der Pflanze wirksam bei: Rheumatoidarthritis, diuretisch, laxierend, Antidot bei Vergiftungen, Fieber

Wirksam bei Magenulkus [7]

 

Uvaria chamae, Fingerwurzel

Strauch mit hellbraunen Blüten und hellbraunen Staubbeuteln

Zur Blutbildung, Zahnschmerzen

Brucea antidysenterica

Verschiedene Schmerzen, Paralysen

 

Cassia alata, Flügelkassie, Ringwormbush

bis zu 2m hoher Busch mit gelben Blüten

Lepra, diverse Hauterkrankungen, Laxans, Blatt und Blüte gegen Herpes

 

 

Analyse einiger Ausdrücke der Sprache Bamvele

In diesem Abschnitt sollen einige ausgewählte Ausdrücke aus meiner Muttersprache, dem Bamvele übersetzt werden. Die Ausdrücke bezeichnen Krankheiten oder Umstände, die mit Krankheit verbunden sind und erlauben Rückschlüsse auf das Verständnis und den Umgang mit Krankheit und Medizin dieser Volksgruppe. Die Sprache Bamvele wird in Zentralkamerun im Gebiet des Flusses Sanaga gesprochen. Es gibt ca. 30.000 Menschen, die zu dieser Gruppe gehören. Die Sprache wird normalerweise nicht geschrieben, sondern nur gesprochen. Die Worte können also nur näherungsweise in deutscher Schrift widergegeben werden.

 

Ngangang

dies ist die Bezeichnung für einen traditionellen Heiler, der alle Arten von Krankheiten heilen kann, seien es seelische oder physische Leiden. Beide werden eigentlich nicht voneinander unterschieden.

Diese Wort gibt es in sehr vielen Bantusprachen für den Heiler.

 

allom Okon „eine Krankheit werfen“

Das bedeutet, dass Krankheit fremdverursacht wird, von jemandem, der einer Person feindlich gegenüber steht.

 

abi mbono

spezieller Ausdruck dafür, wenn jemand beschuldigt wird, eine Krankheit, Unfall oder Missgeschick verursacht zu haben

 

Nsong Nyo „Wurm einer Schlange“

wird als Bezeichnung für chronische Bauchschmerzen gebraucht

 

esek

Bezeichnung für Leberleiden (meistens Vergrößerung). Dies lässt Rückschlüsse auf ein gewisses anatomisches Verständnis zu.

 

Mbom Eduk

Wird gesagt, dass jemand eine Boa (mbom) im WC (eduk) hat, bedeutet dies, dass jede Frau im gebärfähigen Alter, die sich auf das WC hockt, keine Kinder mehr bekommt, da die Boa alle frisst.

 

 

Josettes eigener Erlebnisbericht

Die folgenden Beispiele kenne ich aus eigenem Miterleben.

  • Bei Rheumatismus wird ein halbes Horn („Ndag“) eines Rindes in Form eines Trichters über einer künstlich geschaffenen Wunde angebracht. Dabei wird an der Spitze des Hornes eine knetbare Masse geklebt und eine Öffnung geschaffen. Über diese wird durch Ansaugen ein Unterdruck hergestellt, der das Horn auf der Wunde hält und dadurch helle Flüssigkeit aus der Wunde zieht („Ampulle“).
  • Bei geschlossenen Frakturen werden die Frakturenden reponiert. Danach wird die Stelle mit bestimmten Kräutern, die über einem Feuer erwärmt wurden, täglich massiert.

 

Zum Abschluss dieser Arbeit, möchte ich von einer Episode bei einer Heilerin genauer berichten, bei der ich selbst Patientin war.

Ich erinnere mich an eine Situation als ich ca. 8 Jahre alt war. Meine Mutter brachte uns zu einer verwandten Heilerin ins Dorf. Wir gingen in ihre Küche. Es war ein für unsere Gegend typischer Raum, der zum Kochen, Schlafen und Wohnen dient. Die Tante war eine schlanke, ältere Frau mit schon ergrautem Haar. Ich kannte zunächst nicht den Zwecks unseres Besuches. Nach einem längeren Gespräch zwischen meiner Mutter und der Tante in der Sprache meiner Mutter und einem gemeinsamen Essen ging die Tante fort und kam mit verschiedenen Kräutern zurück, die sie in einem sehr kleinen Gefäß aus Ton trug. Die Kräuter wurden in dem Gefäß über dem Feuer verbrannt. Ich wurde zu der Tante gebeten und meine Mutter erklärte mir, dass das, was jetzt geschehen würde, uns vor fremdem Zauber und Krankheiten schützen würde. Daraufhin wurden zuerst meiner Mutter und dann mir mit einer Rasierklinge symmetrisch auf den Hand- und Fußgelenken sowie über dem Sternum und im Gesicht kleine Wunden geritzt. In die Wunden wurde die Asche der Kräuter gerieben. Die Tante ermahnte uns, diese Behandlung für uns zu behalten, sonst würde es nicht wirken…

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Im Urwald bei Wall, Departement Haute Sanaga, Kamerun

Quellen:

[1] Rukangira E: Medical Plants and Traditional Medicine in Africa: Constraints and Challanges. Nairobi, Kenya, Sustainable Development International

[2] http://www.verbraucherministerium.de/welternaehrung/fao_aktuell-2000/fa2000-37-38.htm

[3] Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie und operative Intensivmedizin  Mediatoren/Immungenetische Prädisposition bei SIRS und Sepsis, PD Dr. E. Berendes (Leiter), Dr. B. Driller, C. Raufhake

[4] Peoples and Plants Online: http://www.rbgkew.org.uk/peopleplants/wp/wp2/geo.htm

[5] Heide Kuhlmann, Hannover 1999 http://home.arcor-online.de/heide-kuhlmann/yohimbe.html

[6] Iwu MM, Anyanwu BN: Phytotherapeutic profile of Nigerian herbs. I: Anti-inflammatory and anti-arthritic agents. J Ethnopharmacol 1982 Nov;6(3):263-74

[7] M.T. Monforte, N. Miceli, M.R. Mondello, R. Sanogo, A. Rossitto and E.M. Galati: Antiulcer Activity of Salvadora persica on Experimental ASA-Induced Ulcer in Rats: Ultrastructural Modifications, Pharmaceutical Biology

[8] Ministére de la Recherche Scientifique et Technique, Ministére de l’Environement et des Forêts Cameroun : Rapport de pays pour la conference technique internationale de la FAO sur les ressouces phytogenetiques (Leipzig 1996). Yaoundé 1995

[9] Canadian International Development Agency, 1996: http://www.acdi-cida.gc.ca/home

[10] Pro.Me.Tra., Promotion des Médecines Traditionelles:  http://www.prometra.org/DurbanAIDS.htm

[11] Mosetig-Pauleschitz G : Bikausalität von Krankheit in Afrika. Eine kulturelle Konstruktion von Krankheit. Institut für Ethnologie, Kultur- und Sozialanthropologie der Universität Wien, 1999

[12] de Rosny E: Heilkunst in Afrika – Mythos, Handwerk und Wissenschaft. Peter Hammer Verlag, Wuppertal, 1994

[13] Leonard, Kenneth L.. 2001. African Traditional Healers : The Economics of Healing. Indigenous Knowledge (IK) Notes; No. 32. World Bank, Washington, DC. © World Bank. https://openknowledge.worldbank.org/handle/10986/10806 License: CC

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