Die Hamilton King Khaki Automatik oder wie das mit meinem Uhrenfimmel losging

Mein Vater trug zu DDR-Zeiten immer mit Begeisterung Glashütte-Automatik-Uhren und ich bin mir nicht sicher, ob ich meine Uhrenliebe ihm zu verdanken habe. Ich erinnere mich an einen Shopping-Nachmittag in den 80ern in Lutherstadt Wittenberg, bei dem er eine taucheruhrartige Stahluhr aus der sächsischen Uhrenmetropole erstand. Es muss damals eine ziemlich teure Anschaffung gewesen sein.

Nach einer schwarzen Taucher-Uhr zum Schulanfang von meiner West-Patentante und einer Citizen-Handaufzugs-Stahl-Uhr sowie diversen West-Digital-Uhren, eine davon mit Taschenrechner, waren meine ersten bewusst selbst gekauften Uhren drei Swatch-MusicCalls als Student in Leipzig. Ich fand, die sahen cool aus und erfülten mit dem Wecker auch noch einen Zweck. Mechanische Uhren um der Mechanik Willen oder gar als Statussymbol waren mir fremd. Zunächst.

Als junger Assistenzarzt hatte ich einen Kollegen, der die schönen materiellen Dinge des Lebens bereits besser als ich zu schätzen wusste. Er, der selbst eine Omega trug, sagte mir mal in einem Nebensatz, eine Hamilton-Uhr wäre genau das Richtige für mich. Hamilton hatte ich nie gehört und es waren noch nicht die Zeiten, in denen man direkt die Bilder googelte.

Das nächste, an dass ich mich erinnere, ist ein ungewollt langer Aufenthalt im Transitbereich des Pariser Flughafens „Charles de Gaulle“. Zum Jahreswechsel 2004/2005 reisten wir nach Kamerun. Meine Familie war schon vorgeflogen, ich saß allein dort herum und mein Anschlussflug sollte sechs Stunden später als geplant losgehen. Ich hatte in diesem Herbst meine Facharztausbildung hinter mich gebracht und meine Disseration erfolgreich verteidigt, war also frisch gebackener Herr Dr. und Gynäkologe geworden. Ich schlenderte durch die Duty-Free-Shops, da blieb mein Blick an einer Uhr in der Auslage einer dieser typischen Flughafenboutiquen hängen: silbrig-beige glänzendes Zifferblatt mit geschmackvollen, eher nüchtern gestalteten arabischen Ziffern, filligrane, blattförmige Zeiger, ein Fenster für Datum und den ausgeschriebenen Wochentag und das alles in einem schnörkellosen runden Edelstahlgehäuse an einem braunen Lederarmband mit dezenten Ziernähten. Die besondere Mischung aus moderner Schlichtheit mit einem Anklang an einen Retrozeitgeist fesselte mich. Auf dem Zifferblatt stand Hamilton Automatik. Es war eine Hamilton King Khaki. Hamilton, das war doch die Marke, von der M. so geschwärmt hatte. Er schien Recht zu haben. Das Ding sah unglaublich gut aus. Aber da hing auch ein Preisschild dran: 320,-€.

Eine Stunde später nach einer weiteren Runde durch die Flughafengeschäfte stand ich wieder vor der Auslage. Es stimmt schon, ein Mann braucht eine richtige Uhr, eine mechanische Automatikuhr, möglichst aus der Schweiz. Hamilton ist eine amerikanische Marke. Sie waren der bedeutendste Chronometerproduzent in der neuen Welt. In den 50ern brachten sie die erste elektrische Uhr mit Unruh heraus, die „Electric“. Diese hatte ein ikonisches, art-deco-inspriertes, dreieckiges Gehäuse. Berühmt wurde sie, nachdem Elvis sie im Film „Aloha from Hawaii“ trug. 1970 brachte Hamilton die erste elektronische Uhr mit LED-Anzeige auf den Markt, die „Pulsar“. Danach starb die Marke. Die Rechte liegen heute bei der Swatch Group, die die Marke mit Schweizer ETA-Uhrwerken versehen wieder reanimierte. 2004 wurden diese Uhren meines Wissens noch nicht in Deutschland angeboten, aber hier in Paris lag sie, trotz entspiegelten Saphirglases, blitzend und blinkend im Schaufenster. Für 320,-€.

Eine weitere halbe Stunde später stand ich wieder davor. 320,-€ waren eine Menge Geld und unsere bevorstehende Kamerunreise versprach zudem ein ordentliches Loch in unseren Dispo zu reißen. Andererseits hatte ich doch in diesem Herbst eine Menge erreicht, da konnte man sich doch auch mal selbst belohnen.

Nach 10 Minuten fand ich mich wieder vor dem Schaufenster und ließ nervös die Kreditkarte durch meine Finger hin und her gleiten. Es war soweit, ich wollte diese Uhr jetzt haben. Nur kurze Zeit später hielt ich die hübsch verpackte Uhr in einer Tüte in der Hand und verließ den Laden Richtung Abfluggate. Ich war noch ein wenig zittrig, ob des Geldes, dass ich soeben für etwas ausgegeben hatte, was man objektiv nicht wirklich braucht. Ich habe mich aber auch noch nie davor und eigentlich auch nie mehr danach so sehr über eine gekauften Gegenstand gefreut und das wirklich Wochen lang. Auf der Kamerunreise trug ich sie selbstverständlich jeden Tag. Ich fand der beige-braune Retrocharme passte hervorragend zur abenteuerlichen Afrikareise. Beige wie die Savanne, braun wie Tropenholz und von einer Robustheit, wie sie auf einer echten Safari unabdingbar sein muss. Seit 2004 läuft diese Uhr nun nahezu ununterbrochen und wurde erst 2012 von einem glamouröseren Uhrengeschenk meiner Frau als Alltagsuhr abgelöst. Die Uhr war bisher zu keiner Inspektion geschweige denn Reparatur. Nach einigen Tagen am Handgelenk läuft sie für eine Automatik erstaunlich genau. Auch auf den folgenden Kamerunreisen war sie mir ein zuverlässiger Begleiter. Mittlerweile wird die Khaki King auch in Deutschland verkauft, natürlich nicht mehr für den damaligen Preis am Pariser Flughafen. Es ist meine nützlichste und zuverlässigste Uhr. Auch wenn ich bei jeder Uhr, die danach kamen immer dachte, diese muss es nun unbedingt sein, spürte ich nie mehr diese überbordende Freude und das Glücksgefühl wie beim Kauf meiner Hamilton.

P.s. Ich bekomme kein Geld von irgendjemandem für diesen Beitrag. Aber falls jemand von Hamilton oder der Swatch-Group das liest, kann er gern Kontakt mit mir aufnehmen. Meine Kontonummmer gebe ich gern raus…

Hier meine kleine Kollektion: Die Hamilton ist ganz rechts an einem blau-grau gestreiften Nato-Armband.

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